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Diktiersoftware und Spracherkennung für Anwälte: Dragon Legal, DictaNet und lokale Alternativen
Der Vergleich zeigt, welche Diktier- und Spracherkennungslösungen lokal und welche in der Cloud arbeiten, was sie laut Hersteller an juristischem Vokabular mitbringen und was sie kosten, jeweils mit Quelle und Abrufdatum. Dazu kommt eine Checkliste für die Einführung in der Kanzlei, Stand 09/2026.
Für Kanzleien entscheidet zuerst der Betrieb: Lokale Erkennung hält Diktate im Haus, Cloud und Schreibdienste brauchen einen Vertrag nach § 43e BRAO. Danach zählen Vokabular, Mikrofon und eine gepflegte Wortliste mehr als die Marke.
Aufbau:
- Kopf: Kanzlei, verantwortliche Person, Start des Pilots.
- Ziel und Umfang: wer diktiert, wer schreibt heute, Diktatminuten pro Woche, Ziel.
- Betrieb und Berufsrecht: lokal, Server, Cloud oder Schreibdienst; § 43e BRAO, Art. 28 DSGVO, Training ausgeschlossen.
- Technik: Systemanforderungen, Mikrofon, Übergabe in die Kanzleisoftware, Sicherung der Sprachprofile.
- Profile und Vokabular, Pilot mit Messung (Diktate, Korrekturminuten), Diktatkultur im Büro, Entscheidung.
Spracherkennung einführen in 6 Schritten
- Ziel festlegen: Rücklaufzeit von Schreiben, Entlastung der ReFas oder Diktat unterwegs. Das Ziel bestimmt, ob Frontend-Erkennung (Text erscheint beim Sprechen) oder Hintergrund-Erkennung mit Korrektur durch das Sekretariat passt.
- Betrieb wählen: Bei lokaler Erkennung bleiben Diktate im Haus. Bei Cloud-Diensten und externen Schreibdiensten ist der Anbieter Dienstleister nach § 43e BRAO; Diktate enthalten fast immer Mandatsgeheimnisse (§ 203 StGB).
- Herstellerangaben prüfen: Betriebssystem, Arbeitsspeicher, Integration in Ihre Kanzleisoftware, Preis und Laufzeit. Lassen Sie sich Angaben, die nicht auf der Herstellerseite stehen, schriftlich geben.
- Mikrofon und Profile einrichten: je Person ein Profil, Wortliste mit Gerichten, Behörden und häufigen Namen.
- Pilot mit einer Person über zwei bis vier Wochen, Korrekturminuten je Diktat messen.
Vergleich: Herstellerangaben, Stand 23.09.2026
| Produkt | Betrieb | Juristisches Vokabular | Integration | Preis laut Hersteller | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| Dragon Legal v16 (Nuance) | Lokal installiert unter Windows 10 oder 11; Internet für Download und Aktivierung | ja: Training mit „mehr als 400 Millionen Wörtern aus Rechtsdokumenten“ | nicht angegeben | auf der Herstellerseite nicht genannt | Herstellerseite, Datenblatt v16 |
| Dragon Legal Anywhere (Nuance) | Client-Server: „als lokale Installation oder über einen von Nuance zertifizierten Hosting-Partner“ | ja: über 400 Millionen Wörter aus juristischen Dokumenten | nicht angegeben | auf der Herstellerseite nicht genannt | Datenblatt |
| DictaNet (DictaNet Software AG, Vertrieb u. a. über RA-MICRO) | Vorder- und Hintergrund-Spracherkennung; lokal oder Cloud auf den Herstellerseiten nicht eindeutig angegeben | ja: „juristisches Fachvokabular“, laut Hersteller über 30.000 Fachbegriffe (Deutsch, Englisch) | RA-MICRO | auf der Herstellerseite nicht genannt | RA-MICRO, DictaNet |
| Philips SpeechLive | Cloud (Microsoft Azure, laut Hersteller Rechenzentrum in den Niederlanden für EU-Kunden) | ja: juristische Spracherkennung als eigener Tarif | nicht geprüft | Basic 10,90 €, Pro 14,50 €, juristische Spracherkennung ab 39,40 € je Nutzer und Monat, Schreibdienst Deutsch 3,19 € je Minute, jeweils zzgl. MwSt. | Preise, Datensicherheit |
| Microsoft Word: Diktieren | Cloud; laut Microsoft Internetverbindung nötig | nein (allgemein) | Word | nur im Microsoft-365-Abonnement | Microsoft Support |
| Windows 11: Sprachzugriff | lokal; Internet nur beim ersten Laden der Sprache | nein (allgemein) | Windows | in Windows 11 enthalten | Microsoft Support |
| macOS: Diktierfunktion | je nach Einstellung auf dem Gerät, prüfbar in den Tastatureinstellungen | nein (allgemein) | macOS | in macOS enthalten | Apple Support |
| Whisper (Open Source, OpenAI) | lokal; Grafikspeicher laut README rund 6 GB (turbo) bis 10 GB (large) | nein (allgemein) | keine, technische Einrichtung nötig | kostenlos, MIT-Lizenz | GitHub |
Alle Angaben stammen von den Seiten der Hersteller und wurden am 23.09.2026 abgerufen. Markennamen dienen nur der Beschreibung. Genauigkeitsangaben wie „99%ige Erkennungsgenauigkeit“ (Nuance) sind Herstellerangaben ohne veröffentlichte Messbedingungen; eine neutrale Vergleichsmessung haben wir nicht gefunden. Nicht aufgeführt sind Anbieter, deren Angaben wir nicht auf einer Herstellerseite prüfen konnten. Preise ändern sich; maßgeblich ist das Angebot des Herstellers.
Lokal oder Cloud: das eigentliche Kaufkriterium
Ein Diktat ist ein Mandatsdokument. Läuft die Erkennung auf dem Arbeitsplatz oder dem Kanzleiserver und hat der Hersteller keinen Zugriff, verlässt es die Kanzlei nicht. Bei Cloud-Diensten und Schreibdiensten geht die Aufnahme an einen Dienstleister: Dann brauchen Sie einen Vertrag nach § 43e Abs. 3 BRAO, einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und bei Rechenzentren außerhalb der EU die Prüfung nach § 43e Abs. 4 BRAO. Die BRAK empfiehlt, Anbieter mit Servern in Deutschland oder Europa zu bevorzugen (BRAK-Hinweise 12/2024, Nr. 3.2). Cloud ist damit nicht ausgeschlossen, aber mehr Papier.
Typische Fehler bei der Einführung
- Laptop-Mikrofon statt Headset: Die Erkennung wird schlechter, und die Schuld bekommt die Software.
- Ein Profil für mehrere Personen.
- Keine Wortliste: Namen von Parteien, Gerichten und Behörden werden immer wieder falsch geschrieben.
- Kein Korrekturlesen mehr, weil der Text sauber aussieht. Verantwortlich bleibt, wer unterschreibt.
Das geschriebene Diktat ist erst die halbe Arbeit: Es muss zur richtigen Akte, Fristen müssen eingetragen, Anlagen zugeordnet werden. Verheyden Tech entwickelt dafür lokal laufende Kanzlei-Software (Ásgarðr mit dem Assistenten Gerar). Sie ergänzt eine Diktiersoftware, ersetzt sie aber nicht. Wie viel Zeit der Posteingang heute kostet, zeigt der Posteingang-Zeitrechner.
Häufige Fragen zu Diktiersoftware
Welche Diktiersoftware nutzen Anwälte?
Belastbare Marktanteile für deutsche Kanzleien haben wir nicht gefunden. In Suchergebnissen und im Fachhandel tauchen vor allem Dragon Legal von Nuance, DictaNet, das auch über RA-MICRO vertrieben wird, und Cloud-Dienste wie Philips SpeechLive auf. Dazu kommen die Diktierfunktionen von Word, Windows und macOS, die ohne juristisches Vokabular arbeiten. Wichtiger als die Marke sind drei Fragen: Läuft die Erkennung lokal oder in der Cloud, passt sie zu Ihrer Kanzleisoftware, und wer korrigiert am Ende? Die Tabelle oben zeigt die Herstellerangaben mit Abrufdatum.
Funktioniert Dragon Legal ohne Internet?
Dragon Legal v16 wird laut Datenblatt lokal unter Windows 10 oder 11 installiert. Eine Internetverbindung braucht es laut Hersteller für den Download und die automatische Aktivierung. Die Spracherkennung selbst läuft auf dem Rechner. Anders ist Dragon Legal Anywhere aufgebaut: Das ist eine Client-Server-Lösung, die laut Hersteller entweder lokal installiert oder über einen zertifizierten Hosting-Partner bereitgestellt wird. Im zweiten Fall verlassen Diktate die Kanzlei, dann brauchen Sie einen Vertrag nach § 43e BRAO mit dem Anbieter.
Gibt es kostenlose Spracherkennung für Juristen?
Kostenlos oder im Betriebssystem enthalten sind der Sprachzugriff in Windows 11, der laut Microsoft ohne Internetverbindung arbeitet, die Diktierfunktion von macOS, die je nach Einstellung auf dem Gerät verarbeitet, und das Open-Source-Modell Whisper unter MIT-Lizenz. Keines davon bringt ein juristisches Fachvokabular mit, Namen und Fachbegriffe müssen häufiger korrigiert werden. Die Diktierfunktion in Word verlangt ein Microsoft-365-Abonnement und verarbeitet in der Cloud. Für gelegentliche Notizen reicht das, für tägliche Schriftsätze lohnt der Vergleich mit Fachlösungen.
Wie lange dauert die Einarbeitung?
Eine neutrale Messung dazu haben wir nicht gefunden. Hersteller werben damit, dass die Erkennung von Anfang an funktioniert. In der Praxis hängt die Dauer weniger von der Software ab als von drei Dingen: einem guten Mikrofon, einer gepflegten Wortliste mit Namen und Gerichten und festen Diktierregeln im Büro. Planen Sie deshalb einen Pilot von zwei bis vier Wochen mit einer Person und messen Sie die Minuten für Korrekturen je Diktat. Diese Zahl zeigt, ob sich die Einführung für weitere Personen lohnt.
Verwandte Vorlagen und Seiten
Quellen
- Nuance: Dragon Legal v16, abgerufen 23.09.2026
- Nuance: Datenblatt Dragon Legal v16 (PDF, englisch), abgerufen 23.09.2026
- Nuance: Datenblatt Dragon Legal Anywhere (PDF), abgerufen 23.09.2026
- RA-MICRO: DictaNet Diktiersoftware, abgerufen 23.09.2026
- DictaNet: PC Speech Recognition, abgerufen 23.09.2026
- Philips SpeechLive: Preise, abgerufen 23.09.2026
- Philips SpeechLive: Data security and privacy, abgerufen 23.09.2026
- Microsoft: Diktieren in Word, abgerufen 23.09.2026
- Microsoft: Sprachzugriff FAQ, abgerufen 23.09.2026
- Apple: Diktieren auf dem Mac, abgerufen 23.09.2026
- OpenAI Whisper auf GitHub, abgerufen 23.09.2026
- § 43e BRAO, § 203 StGB
Tobias Verheyden, Verheyden Tech, Hildesheim. Stand 09/2026
Fachliche Gegenlese: steht noch aus.
Muster und Informationen für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Prüfung im Einzelfall bleibt beim Anwender.
Änderungsprotokoll
- 23.09.2026: Erstfassung